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4. Ohne Vorwarnung: Wenn ein Spasmus dich aus dem Schlaf reißt

Eines der belastendsten Erlebnisse für Menschen mit schwerer Spastik ist die absolute Unvorhersehbarkeit. Viele Betroffene entwickeln über Jahre ein feines Gespür für ihren Körper und erkennen subtile Vorzeichen, die einen Spasmus oder eine anstehende Darmentleerung ankündigen. Doch es gibt Situationen, in denen das System ohne jede Vorwarnung kollabiert. Ein Spasmus kann so plötzlich und heftig einsetzen, dass er Betroffene sogar aus dem tiefsten Schlaf reißt. Innerhalb von Sekunden baut sich eine massive Körperspannung auf, die sofort in eine unkontrollierbare körperliche Reaktion mündet, wie zum Beispiel einen plötzlichen Stuhlabgang. In einem solchen Moment gibt es keine Chance zu reagieren. Die Zeitspanne zwischen dem ersten Bemerken des Krampfes und der vollständigen Folgeerscheinung ist zu kurz, um aufzustehen, Hilfe zu holen oder irgendeine vorbereitende Maßnahme zu treffen. Diese Momente der absoluten Machtlosigkeit sind psychisch enorm belastend. Sie können das hart erarbeitete Vertrauen in den eigenen Körper und das etablierte Management erschüttern. Es ist von größter Wichtigkeit, solche Ereignisse richtig einzuordnen: Sie sind kein persönliches Versagen. Sie sind eine Demonstration der reinen Kraft, die eine neurologische Störung entfalten kann. Niemand trägt die Schuld, wenn ein Blitz einschlägt. Und niemand trägt die Schuld, wenn ein solcher “Körper-Blitz” zuschlägt.

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