Beitrag 62: Sprachbarrieren – Wenn „Platt“ auf „Latein“ trifft
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Beitrag 62: Sprachbarrieren – Wenn „Platt“ auf „Latein“ trifft

Wir haben einen neuen Assistenzarzt im Standort Nord. Hochintelligent, kommt von einer Elite-Uni, spricht fünf Sprachen – aber kein Wort Klinzer Platt. Heute traf er auf Käpt’n Hansen, einen unserer Stammgäste im Standort Süd, der zur Kontrolle rübergebracht wurde. Der Dialog war filmreif. Der Arzt sprach von „akuter Exazerbation der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung“, während Hansen nur knurrte: „Mien Lungen sünd dicht, Jung, dor hülpt keen snacken.“

Ich stand als Arbeitsviech daneben und durfte dolmetschen. Es ist ein unterschätzter Teil meines Jobs. Man muss die medizinische Hochsprache des Nordens in die pragmatische Lebenswelt des Südens übersetzen. Wenn ich Hansen sage: „Dat Herz will nich mehr so recht, wi müt dat mal n bäter instellen“, dann versteht er das. Der junge Arzt lernt jetzt mühsam Vokabeln wie „Moin“ und „Döskopp“. Es ist ein Clash der Kulturen, der jeden Tag aufs Neue zeigt: Medizin auf einer Insel ist mehr als nur Wissenschaft. Es ist Kommunikation auf Augenhöhe – oder eben auf Platt.

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