
Beitrag 49: Der Duft der Freiheit (und Desinfektion)
Wenn ich die Fenster im Standort Süd öffne, riecht es nach Salz, Schlick und Freiheit. Wenn ich die Türen im Standort Nord öffne, riecht es nach Sterilium, Bodenreiniger und Angst. Dieser olfaktorische Unterschied ist das, was mich jeden Tag am meisten bewegt. Das Arbeitsviech ist ein Nasentier. Ich weiß oft schon am Geruch des Flurs, wie die Stimmung auf Station ist.
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Heute war ein „Süd-Tag“. Die Luft war so klar, dass man fast bis zum Festland sehen konnte. Die Patienten waren ruhiger, das Team entspannter. Doch kaum kam der Anruf für den Standortwechsel in den Norden, änderte sich alles. Der beißende Geruch der Notaufnahme schlug mir entgegen. Es ist erstaunlich, wie Gerüche Emotionen triggern können. Im Süden fühle ich mich oft wie ein Heiler, im Norden wie ein Mechaniker in einer Reparaturwerkstatt für Menschen. Beides wird gebraucht, aber meine Lunge bevorzugt eindeutig das Südufer.
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