
Beitrag 22: Die Psychologie des Wartens
Im Standort Süd lernen wir eine Lektion, die im hektischen Nordstandort oft untergeht: Die Kunst des Wartens. Hier warten die Menschen auf Genesung, auf den Tod oder einfach nur auf den nächsten Besuch. Als Arbeitsviech ist man oft der einzige Fixpunkt in ihrem langen Tag.
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Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mich fünf Minuten länger an ein Bett setze, obwohl im Flur schon wieder das nächste Problem wartet. Diese fünf Minuten sind für den Patienten Gold wert, für mich bedeuten sie später fünf Minuten mehr Hektik bei der Dokumentation. Es ist ein ständiger moralischer Konflikt.
Die zwei Standorte repräsentieren die zwei Geschwindigkeiten des Lebens. Der Norden ist das „Jetzt“, der Süden ist das „War“ und das „Vielleicht“. Als Arbeitsviech muss man zwischen diesen Modi umschalten können, ohne die eigene Menschlichkeit zu verlieren. Das ist vielleicht die größte Herausforderung unseres Berufs auf Klinz.
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