
Beitrag 6: Der Teufelskreis der Überstunden
Mein Zeitkonto sieht aus wie eine Telefonnummer. Hunderte Überstunden, die ich wahrscheinlich erst im nächsten Leben abfeiern kann. Das ist das Schicksal des Arbeitsviechs auf Klinz. Die zwei Standorte saugen alles an Kapazität auf, was man zu bieten hat. Wenn man denkt, man hat frei, kommt der Anruf: „Kannst du einspringen? Im Norden ist der Krankenstand bei 40 Prozent.“
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Man sagt ja immer, man solle Grenzen setzen. Aber wie setzt man Grenzen, wenn man weiß, dass die Kollegen sonst alleine untergehen? Die Insel ist klein. Man trifft die Patienten beim Einkaufen, man kennt die Familien. Das macht es so schwer, „Nein“ zu sagen. Man arbeitet, bis man umfällt, und dann arbeitet man noch ein bisschen weiter.
Die Verwaltung verspricht Besserung, neue Stellen, mehr Attraktivität. Doch wer zieht schon gerne auf eine Insel, wo die Mieten teuer und die Arbeit hart ist? Also bleiben wir, das Stammpersonal, die Arbeitsviecher. Wir jonglieren die Dienste zwischen Nord und Süd, bis die Tage ineinander verschwimmen. Es ist ein Teufelskreis aus Pflichtgefühl und Erschöpfung.
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